Reiseziele 03. Oktober 2017

Weites Finnland - ein persönliches Reisetagebuch

Pressebild zu »Weites Finnland - ein persönliches Reisetagebuch«

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© Björn Ahrndt

Denke ich an Skandinavien, so hatte ich bis dato immer das Bild eines einsamen Sees oder Fjords vor Augen. Eine Blockhütte. Ein Angler in einem Ruderboot. Unendliche Ruhe. Weite.

Denke ich an Finnland, kommen noch Bilder von Rentier-Herden hinzu, die sich über baumlose Flächen hinweg bewegen und alte Männer auf der Holzterrasse vor einer Sauna. Alles sehr verträumt, fast verschlafen.

Finnland, Ruka-Kuusamo im Speziellen, ist aber keineswegs verschlafen. Wenngleich vom Tourismus nicht überlaufen, bieten sich dem Besucher zahlreiche Outdoor-Sportarten in einer einzigartigen Naturlandschaft. Perfekte Rahmenbedingungen für Naturliebhaber und Sport-Fans. Im Sommer Hiking, Biking, Rafting und Angeln auf der einen Seite. Der klassische Wintersport mit Skifahren, Schneeschuhwandern und Langlaufen auf der anderen Seite.

Auf Einladung von Finland Outdoor und dem Outdoor Blogger Network durfte ich mir von diesen Möglichkeiten selbst ein Bild machen. Herausgekommen ist eine neue Liebe zu einer der faszinierendsten Naturlandschaften Nordeuropas.

Auf dem Programm standen vier Tage, vollgepackt mit tollen Eindrücken und Erlebnissen in und um Ruka-Kuusamo. Dabei erhielt ich für die Schilderung meiner Eindrücke keinerlei finanziellen Ausgleich und kann, wie in allen meinen Blogbeiträgen, vollkommen frei über meine Erfahrungen berichten.

Herausgekommen ist dabei diesmal mein ganz persönliches Reisetagebuch:

Der erste Tag – weite Landschaft
Von München geht es mit der Finnair zunächst nach Helsinki und dann etwa eine Flugstunde weiter nach Rovaniemi. Die anschließende Fahrt mit dem Shuttle-Bus ins gut 180km entfernte Ruka-Kuusamo lässt die Weitläufigkeit dieser Landschaft nur erahnen. Gefühlt machen die Straßen hier keine Kurven. Immer wieder unterbrechen Seen und kleine Tümpel die endlos scheinenden gelb-grün leuchtenden Wäldern. In tiefer Dunkelheit ist schließlich das Ziel erreicht und die Spannung auf die kommenden Tage steigt von Minute zu Minute.

Der zweite Tag – wildes Land, sanfte Menschen
Der leichte Nieselregen macht der guten Stimmmung in unserem 8-köpfigen Team, aus Bloggern und Journalisten, keinen Abbruch. Nach einem Frühstück mit Blick auf einen der tausenden Seen und die wunderschön leuchtenden Wäldern geht es frühmorgens zum ersten Programmpunkt des vollgepackten Tags: „Überleben in der Wildnis“.

OK. Das hört sich gefährlicher an, als es ist. Unter dem Strich geht es zu einer Rentierfarm und von dort aus zu Fuß durch den Wald zu einem See. Fischen ist angesagt. Genauergesagt Angeln.

Im tiefen feuchten Boden der finnischen Wälder ist der wackelige Steg schließlich erreicht.

ach einer kurzen Einweisung durch unseren Guide Mika, der hier mit seiner Familie lebt, ist die richtige Wurftechnik nicht das Problem. Was Mika erst später verrät. Er schätzt noch 30 Forellen in dem See. Außerdem etwas Weißfisch. 1:0 für die Natur würde ich sagen.

Nichts geangelt. Wenngleich Mika beteuert, dass er erst gestern selbst hier erfolgreich waren, bin ich doch irgendwie froh, dass alles was an der Leine gezogen hatte nur etwas Seegras war. Dennoch hatten wir alle einen großen Spass an der erfolglosen „Jagd“ inmitten der finnischen Seenlandschaft.

Leicht durchgefroren geht es zu einem nahe gelegenen Unterstand wo es den von Mika gefangenen Fisch nebst Gemüse, Tee, Kaffee und selbstgebackenem „Kuchen“ gibt.
Einfach, ursprünglich, frisch und enorm lecker. Mittagessen inmitten dieser unberührten Landschaft. Herrlich!

Nach der ausgiebigen Stärkung geht es zurück in Richtung der Farm, nicht ohne bei den Rentieren einen Zwischenstopp einzulegen. Mika und seine Frau erzählen uns von den 60, fast ausschließlich freilebenden Tieren ihrer Herde, während die im Gehege wie auch im freien lebenden Rentiere geradezu zutraulich zu uns kommen.

Der zweite große Tagespunkt: Rating auf dem Fluss Kitka, einige Fahrminuten von der Rentierfarm entfernt.

Die Wälder und die Fluss- und Seenlandschaft vom Wasser aus zu erleben ist nochmals eine Steigerung der ohnehin schon faszinierenden Natur. Drei der größten Stromschnellen des Flusses liegen vor uns. Zudem ein Wasserfall, den wir glücklicherweise umgehen werden. Spannung und Entspannung wechseln auf dieser Bootsfahrt mit „Stella Polaris“ ab. Wenngleich das ein oder andere Wendemanöver kurz vor den Stromschnellen ausschließlich der Belustigung der Steuermänner gedacht war. Nichts desto trotz. Das bisschen Wasser war eine gute Vorbereitung auf den letzten großen Programmpunkt vor dem Abendessen.

Sauna-Yoga bei Hanna von Ruka Safaris, einem Outdooranbieter mit angeschlossenem Campingplatz und kleinem Hotel. Sauna-Yoga ist eine Kombination aus wirklich traditioneller finnischer Sauna und Yoga. Das Ziel: Verspannungen lösen und in erster Linie zur Ruhe kommen. Das Aufwärmen nehmen wir dabei gerne billigend in Kauf. Dem ersten „Gang“ folgt ein äußerst frisches und äußerst kurzes Bad im angrenzenden See. Während der folgenden, ohne Yoga stattfindenden Saunagänge erzählt Hanna von der echten finnischen Saunakultur.

Üblicherweise mit Textil, also Badebekleidung (außer im allerengsten Familien- oder Freundeskreis), werden sogar Geburtstage hier gefeiert und auch zu Weihnachten der Saunagang zelebriert. Für die Finnen begann und endete das Leben oft mit und in der Sauna. Das erste Haus, das gebaut wurde und der Ort wo man zusammengekommen ist, wo Kinder geboren wurden und die Dahingeschiedenen die letzte Vorbereitung für den Gang auf die andere Seite bekommen haben.

Wichtig ist neben der Temperatur (üblicherweise zwischen 70 und 80 Grad) der Wasserdampf und auch die Frischluftzufuhr. Dabei ist es auch egal wie lange man in der Sauna sitzt. Ganz nach seinem eigenen Wohlbefinden und oft begleitet von Gesprächen um sich Probleme von der Seele zu reden der einfach nur gesellig zu sein. Das trinken von Bier in oder um die Sauna herum ist dagegen ein kaum verbeitetes Phänomen und ein falsches Bild, das in Resteuropa jedoch oft verbreitet ist. Die Saunakultur in Finnland ist etwas ganz besonderes und nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Wer das hier noch nicht probiert hat, hat definitiv etwas verpasst.

Nach diesem angenehmen Abschluss des Tages ist nur noch eins angesagt. Essen und mit tausenden Bildern im Kopf ins Bett gehen.

Der dritte Tag – Adrenalin und Entspannung
Das Wetter ist nach wie vor Outdoorwetter. Der leichte Nieselregen und die teils tief hängenden Wolken lassen einen zumindest nicht so schnell ins Schwitzen kommen. Das Wetter taucht die Landschaft rund um Ruka in ein seltsam ruhiges und angenehmes Licht, was die Neugier auf den bevorstehenden Tag noch größer werden lässt.

Heute steht Mountainbiking als erster Punkt auf der Tagesordnung. In einer gemischten Gruppe mit erfahrenen Bikern und Gelegenheits-Radfahrern kein leichtes Unterfangen eine gute Mischung zu finden.

Maaria, unser Guide vom örtlichen Sport-Shop, fängt daher beim kleinen Einmaleins an. Anschließend geht es auf die Strecke rund um und in das Skigebiet von Ruka. Zugegeben.

Mit den Alpen sind weder die Anstiege, noch der Schwierigkeitsgrad der Downhillpassagen vergleichbar. Dennoch gibt es für Genußbiker viele Möglichkeiten kreuz und quer durch das Skigebiet zu fahren.

Maaria zeigt uns breite Schotterwege, schmale Trails, Abfahrten entlang der Skilifttrasse und tiefschottrige, durchaus anspruchsvolle Passagen.

Natürlich fahren wir nicht alle Strecken, bekommen aber einen ganz guten Eindruck von den vielen Möglichkeiten. Dazu lohnt sich die Auffahrt um die Umgebung von etwa 500m Höhe aus zu begutachten (ein Höhenunterschied von sage und schreibe 200m zum Dorfzentrum). Immer noch hängen die Wolken tief, haben haber in etwa 40km Entfernung den Blick auf den Berg, der die Grenze zu Russland markiert, freigegeben. Unter dem Strich ist das Bikegebiet ähnlich dem Skigebiet von Ruka als familientauglich einzustufen. Nichts für Extrembiker, aber für Genießer der Landschaft sicher empfehlenswert.

Nach einem leckeren Mittagessen, mit Rentier als Hauptgang, geht es, entgegen der ursprünglichen Planung nicht zum Felsklettern (der Untergrund ist zu feucht), sondern hinauf auf die Skisprungschanze von Ruka-Kuusamo. Abseilen ist angesagt.

Schon der Blick von hier oben ist sensationell. Die Tatsache, dass es bei der bevorstehenden Übung nicht um das Abseilen an einer Wand geht, irritiert uns aber zunächst und flößt durchaus Respekt ein.

Von der oberen Plattform geht es 40m frei hinunter. Eine Erfahrung der besonderen Art, durch die uns Jussi von Outdoor Passion Finland sicher begleitet.

Im Anschluss geht es mit dem Bus nach Isokenkäisten Klubi. Einer kleinen Unterkunft mitten im Nirgendwo und irgendow in 3km Entfernung zur russischen Grenze.

Begleitet von unzähligen Rentieren ist die kleine Anlage, nach knapp 50 Minuten Fahrt durch endlose Wälder erreicht. Eine herzliche Begrüßung durch die beiden Schwestern, die das Anwesen in Tradition Ihrer Familie weiterführen, folgt ein kleiner Einblick in die finnische Küche mit Lachs, der am offenen Feuer langsam erwärmt wird.

Doch bevor der Lachs auf dem Teller landet ist, steht die „Seven-Star-Smoke-Sauna“ bereit. Die dunkle Sauna ist, während sie erwärmt wird, voll mit Rauch, der erst nach Erreichen der Temperatur abgelassen wird. Daher sind die Wände pechschwarz.

Wir bekommen einen weiteren Einblick in die finnische Saunakultur bei der in erster Linie jeder nach seinem persönlichen Empfinden Zeit und Intensität bestimmt. Viel Wasserdampf, auch kühles Wasser auf dem Körper und Sträuße aus Birkenzweigen inklusive Blätter, mit denen man sich nach Herzenslust verkloppen darf.

Natürlich dient das der zusätzlichen Blutzirkulation und tut auch nicht weh. Eine Matschmaske sorgt später für den richtigen Teint, und der 6 Grad kalte See für die richtige Abkühlung. Dazwischen sorgen Anekdoten und Sauna-Geheimnisse der Hausherrin, die das Ritual vollzieht, für die entsprechende Stimmung.

Der vierte Tag – Wasser, Wälder, Wehmut
Auch wenn das Wetter im Vergleich zu den vorangegangenen Tagen eher etwas feuchter geworden ist, der Naturpark Oulanka, durch den der „Bear-Trail“ führt, ist die holprige Anfahrt wert. Wie im Leben und den Traditionen der Finnen, steht auch hier das Wasser im Mittelpunkt. Vom Besucherzentrum aus geht es einige Kilometer am Fluss entlang in den Park. Unser Guide erklärt und zeigt uns die verschiedenen Beeren-, Pflanzen- und Pilzarten, die hier gedeihen.

Der sanfte Fluss lässt einen in Gedanken versinken. Dann zeigt die wilde Seite des Flusses wieder die Ur-Kraft der Natur. Mächtige Stromschnellen zerschneiden die Felsen und das dunkelbraun gefärbte Wasser schäumt milchig gelb auf während es tosend durch die Schluchten strömt. Der Waldweg hingegegen entführt den Geist wieder in die Stille. Eine einzigartige Mischung. Entlang der gesamten Strecke sind immer wieder kleine Unterstände mit Feuerstellen.

Auch Holzhütten, die den Wanderern kostenfrei Unterschlupf in der Nacht bieten, sind über den gesamten, gut 80km langen Trail verteilt.

Nach einer leckeren Lachssuppe und frisch gebrühtenm Kaffee, an einer der beschriebenen Feuerstellen, geht es im Kanu auf den Fluss. Nicht durch die tosenden Stromschnellen. Dafür aber auf ruhigem Wasser entlang des vorhin begangenen „Bear-Trails“. Sandbänke, Felswände und hochaufragende, sandige Steilabbrüche wechseln sich ab. Etwa 10km lang ist diese beschauliche Reise.

An einer Stelle legen wir an, um die Überreste eines Rentiers zu begutachten, das hier im Frühjahr eine offensichtlich nicht willkommene Begegnung mit einem der hier lebenden Bären gemacht hat. Der Bär hingegen bleibt im Verborgenen. Mats, einer unserer Gastgeber vom Tourismus-Büro in Ruka, erzählt, dass kaum einer der hier lebenden Menschen je einem Bären in freier Wildbahn begegnet ist. „Sie sehen uns, aber wir sehen sie nicht.“ Nur auf ausgewiesenen Beobachtungsstationen sind diese Tiere zu bewundern.

Während wir unseren Gedanken auf dem sanft dahinfließendem Wasser freien Lauf lassen, kommt Wehmut auf. Langsam, wie uns das Wasser an unseren Zielort bringt, neigt sich auch unsere Reise dem Ende zu. Der letzte Abend steht bevor.

Auf einem kleinen alten Hof dürfen wir unsere letzten Saunagänge in Finnland zelebrieren. Neben dem bereits lieb gewonnenen Wasserdampf, lernen wir hier auch die Behandlung mit Wachholderzweigen kennen. Die Nadeln sorgen für eine bessere Durchblutung, stimulieren und wirken wie eine leichte Akkupunktur.

Nach dem Besuch der drei verschiedenen Saunen ist das „Beisammensein“ im Hot-Tub fast wie ein Treffen alter Freunde. Auch wenn wir uns erst seit vier Tagen kennen, so geben mit die Erlebnisse und Erfahrungen der vergangenen Tage ein Gefühl der Verbundenheit. Das Essen im Pohlojan Pirtti ist ein Genuß ohnegleichen. Küche auf höchstem Niveau in einem über 200 Jahre alten Haus, das seine eigene Geschichte erzählt und dem Hörensagen nach ein beliebtes Ziel des Weihnachtsmanns ist.

Die Stunden streichen dahin und in dunkler Nacht fahren wir unserer Unterkunft und zwangsläufig dem Ende unserer Reise entgegen.

Resümee
Wer Weite, Ruhe und Freiheit sucht, der findet Sie hier in Ruka-Kuusamo. Die Anreise mag lang sein aber die Natur und die Menschen hier suchen Ihresgleichen. Die ebene Landschaft mit Ihren Wäldern sind ein absoluter Kontrast zu den mir sonst eher gelegenen Bergregionen. Dennoch sind die Farbenspiele, wenngleich wir leider nicht in den Genuss von Nordlichtern gekommen sind, ein Traum. Indian-Summer in Reinkultur. Festspiele für die Sinne.
Die Geschichte und die Geschichten der Menschen. Ihre Tradition und Ihre Kultur, von der Sauna bis hin zu Ihrem traditionellen Essgeschirr, allen voran der „Kupsa“ einer aus eine, Stück gefertigten Holztasse, ist definitv eine Reise wert. Und Langeweile ist sicher nicht angesagt, sofern man sich für Outdooraktvitäten begeistert. Aktivitäten, die vielleicht nicht so extrem sind, wie man Sie in den Alpen oder Dolomiten unternehmen kann. Die aber ein seltsam neugierig-entspannendes Gefühl in einem hervorrufen und einen genauso erden, wie die wunderbaren Menschen, die hier leben, geerdet sind.

Was bleibt sind tausende Erinnerungen und Erlebnisse, Bilder vom „Indian-Summer“, einzigartige Begegnungen mit wirklicher Gastfreundschaft, neue Freunde und das immer schon existierende Bild der Hütte am See.

Quelle: https://bergtouren-im-allgaeu.de/weites-finnland

Björn Ahrndt

Björn Ahrndt
AllgäuPix - Online Marketing Agentur

Informationen zu dieser Pressemitteilung

AutorBjörn Ahrndt | AllgäuPix - Online Marketing Agentur

Pressebildindian_summer_in_finnland_0.jpg ©Björn Ahrndt

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