Reiseprodukte 13. Januar 2017

Segeln für Familien mit Kindern. Worauf beim Segeltörn zu achten ist.

Sicherer Segel-Urlaub für Familien

Sicherer Segel-Urlaub für Familien
© SAILORAMA Segelreisen

Früher elitär, heute primär egalitär
Der Segelsport war viele Jahre eine Domäne eingefleischter „Yachties“. Glücklich, wer jemand kannte, der jemand kannte, der ein Schiff sein Eigen nannte oder zumindest einen Segelschein hatte, um ein Charterboot zu mieten. Nur so war es möglich, auch als Anfänger in den elitären Kreis aufgenommen zu werden.

Eine gewisse Aura des Elitären blieb bis heute; aber deutlich vereinfacht hat es sich, seine Landrattenfüße auf die Planken zu stellen, die für Segler die Welt bedeuten. Das Charterangebot in den großen Segelrevieren hat sich vervielfacht, auch in den Binnenstädten prosperieren Segelschulen, an den Hochsaison-Samstagen in den Yachthäfen herrscht Sommersegler-Hochbetrieb.

Nicht nur ältere Herrenrunden mit teuren Offshore-Jacken, fröhliche gemischtgeschlechtliche Studentengruppen, freakige Partysegler und Maturaklassen mit Sound Machines tummeln sich auf den Stegen, sondern auch immer mehr Familien mit Kindern und Babies.

Waren bis vor wenigen Jahren die Familienväter auch Skipper der eigenen Familie und eventuell befreundeter Familien, so gibt es heute zumindest ein paar Anbieter von Familien-Segeltörns. Manche Segelreise-Veranstalter bieten für überschaubares Geld einfache Mitsegeltörns, die auch für Familien geeignet sind; andere Anbieter veranstalten komplex organisierte Segelreisen auf Reisebüro-Niveau mit all inclusive-Preis, fixer Route und vielseitigem Kinderprogramm.

Der Segel-Benimm und sein Untergang
Gleich, ob man selbst skippert, low budget-Mitsegelplätze reserviert oder sich für einen hochprofessionellen Anbieter entscheidet: es muss schon vor Törnbeginn klar sein, dass nicht das Segeln selbst im Vordergrund stehen darf, sondern die Interessen der Kinder.

Die Segelstrecken müssen sehr kurz sein (3 bis maximal 5 Segelstunden pro Tag). In den Ankerbuchten ist Kreativität gefragt: Luftmatratzen, Flossen und Schnorchel sollten dringend an Bord sein. Eine Schatzsuche kann sich wie ein roter Faden durch die Segelwoche ziehen, um am Freitag tatsächlich eine vorher rechtzeitig versteckte modrige Kiste mit Schnickschnack am Strand zu finden. Am Großbaum mit einer Schwingleine dran können sich Kinder und auch Eltern stundenlang mit Wassersprüngen amüsieren. Kleine Inselwanderungen und Ausflüge zu Festungen oder anderen Zielen lockern die Bucht- und Hafenstopps auf.

Klassische Segel-Benimm-Regeln dürfen getrost über Bord gehen. Nicht nur grüßt, wie in der christlichen Seefahrt vorgesehen - der Steuermann, wenn andere Yachten vorbei segeln (Begründung der österr. Segelverbandes: „damit kein allgemeines Gewinke entsteht“), sondern im Gegenteil dürfen die Kinder dabei johlen und jodeln, singen und springen.

Cooler als erlaubt
Kindern kann man deutlich mehr Verantwortung übergeben, als die meisten Eltern glauben. Der Autor durfte beobachten, wie zehnjährige Kinder Segelyachten stundenlang und hochkonzentriert nicht nur übers offene Meer, sondern etappenweise auch durch Ankerplätze mit vielen Ankerliegern oder durch enge Passagen steuerten. Dass der Skipper unauffällig in der Nähe des Steuerrades steht, versteht sich dabei von selbst.

Kinder langweilt man keinesfalls, wenn man ihnen übliche Mitsegler-Pflichten übergibt. Nicht nur am Steuer zu stehen, sondern auch Wacheschieben, um nach anderen Yachten auf kreuzenden Kursen Ausschau zu halten, oder den GPS-Plotter im Auge zu behalten, Kursänderungen am Autopilot vorzunehmen und so weiter ist für Kinder eine verantwortungsvolle, aber deswegen umso interessantere Aufgabe.

Eltern scheint dieses Vertrauen in die eigenen Kinder oft zu fehlen. Ein souveräner und einfühlsamer Skipper kommuniziert mit den Kindern auf Augenhöhe, vertraut ihnen in gewissem Maße bei Ausführung diverser Aufgaben und lobt, bestätigt und fördert; darf aber auch – wiederum auf gleicher Augenhöhe - im Rahmen seiner Eigenschaft als verantwortungspflichtiger Schiffsführer tadeln, wenn etwas bereits Vereinbartes aus Nachlässigkeit daneben geht.

Unterhaltung? Mit Sicherheit!
Sicherheitsüberlegungen des traditionellen Segelsports gelten nicht eins zu eins, sondern eins zu zwei für den Umgang mit Kindern an Bord. Klassischerweise darf ein Skipper auch bei einer Erwachsenen–Crew nicht davon ausgehen, dass man sich sicherheitskonform und bordadäquat verhält, denn ein verantwortungsvoller Skipper geht immer von der Wahrscheinlichkeit eines GAUs, eines Größten Anzunehmenden Unfalls aus.

Erst wenn man die Mitseglerinnen und Mitsegler einige Zeit beobachtete, darf man als Skipper in vielen, wenn auch nie in allen Beziehungen Vertrauen fassen. Doch Kinder nehmen ihre Realität anders wahr, und zu Recht müssen sie nicht alle Konsequenzen ihres Handelns durchdenken. Entsprechend gilt an Bord mit Kindern als Skipperleitsatz: absoluten Überblick über die Kinder zu haben, und dies bei möglichst weitreichend wirkender, aber natürlich gespielter Unbeteiligtheit.

Hier ein gekürzter Auszug aus dem Skipper-Sicherheits-Leitfaden von www.SAILORMA-Segelreisen.at:

• Kommandiere freundlich, aber bedingungslos über den Kopf der Eltern hinweg, wenn es um Deine Vorstellung von Sicherheit geht

• Prinzipiell besteht an Bord für die Kinder immer Schwimmwesten-Pflicht. Ob Du entsprechend des Alters und der Fähigkeiten der Kinder Ausnahmen zulässt, musst Du bitte selbst im Einvernehmen mit den Eltern entscheiden.

• Bitte bedenke, dass man auch vom Steg oder der Parcarella ins Wasser fallen kann. Auch in der Marina sind Schwimmwesten oft nötig.

• Übe ein ernstes (!) Kinderboje-über-Bord-Manöver mit den Erwachsenen. Bedenke dabei, dass die Kinderboje im Wasser auch in Realität nicht aktiv mithelfen wird. Eine persönliche Skipper-Meinung dazu: es springt SOFORT ein Mitsegler hinterher. Übe auch dieses Manöver, die Hemmung zu springen ist oft groß.

• Achte sowohl in der Ankerbucht als auch im Hafen darauf, dass in der Nacht kein Kind ausbüxen kann (Schlafwandler). Versperre besser das Schiebeluk über Nacht.

• Achte darauf, dass IMMER jemand einen Blick auf die Kinder hat. Wenn Du ins Schiff runter musst, teile explizit eine Deckswache ein, die auf die Kinder schaut.

• Auch in der Ankerbucht muss immer jemand ein Auge auf die Kinder haben. Teile die Erwachsenen ein, abwechselnd Kinderwache zu machen.

• Wenn die Kinder im Wasser spielen bzw. 100 Mal vom Deck ins Wasser springen; kommandiere, dass sie nur auf einer Seite spielen und springen dürfen und nur auf ebendieser Seite zur Badeleiter zurück schwimmen dürfen, damit man den Überblick hat.

Spiele, Risiken und Sicherheit

Manöver
Nachziehen an der Leine mit Fendern dran
Risiken
Überfahren werden von Motorboot, ertrinken durch Einhängen in die Leine, verlorengehen
Sicherheit
Nur bei Flaute unter sehr langsamer Fahrt und kurzer Leine, kein Einhängen von Körperteilen, Blick nach achtern und Ausguck halten, Schwimmwesten

Manöver
Schwingen vom ausgebaumten Großbaum. An der Nock des Großbaumes eine Leine festmachen, den Baum außerbord schwingen und fixieren. Von Deck mit der Leine ins Wasser schwingen
Risiken
Bewusstlos werden, weil der Nachspringer auf den Kopf des eben Gesprungenen hüpft.
Sicherheit
Baum gut fixieren. Alle weiteren Wasserspiel-Aktivitäten nur auf der gewählten Seite erlauben. Eventuell Schwimmwesten. So sitzen, dass man die Kinder beim Springen, Schwingen, Ins-Wasser-Platschen, Zurückschwimmen und An-Bord-Gehen kontrollieren kann. Lass dir eventuell von einem Erwachsenen helfen, der dafür sorgt, dass die Kinder kontrolliert eines nach dem anderen springen. Halte eine Taucherbrille bereit, um zu retten.

Manöver
Nachziehen im Beiboot
Risiken
Über-Bord-Gehen, überfahren werden von Motorboot
Sicherheit
Nur bei Flaute unter sehr langsamer Fahrt und kurzer Leine, Blick nach achtern und Ausguck halten, Schwimmwesten. Darauf achten, das Beiboot nicht zu beschädigen

Manöver
Kinder alleine fahren lassen mit dem Beiboot mit Außenborder
Risiken
Tod oder schwere Verletzungen durch Propeller
Sicherheit
Niemals erlauben!

Manöver
Beibootfahren mit Riemen (Rudern) ohne Außenborder
Risiken
Über-Bord-Gehen, Verlorengehen
Sicherheit
Schwimmwesten, beobachten

Tipps zur Wahl des richtigen Veranstalters

Recherche
Gegoogelt, gefunden, gekauft? Stopp! Buchen Sie nicht wild drauf los. Finden Sie mehr über das Unternehmen heraus. Rufen Sie an, erfragen Sie, was Sie wissen möchten, lassen Sie sich beraten. Löchern Sie den Veranstalter, bis Sie wirklich einen guten Rundum-Eindruck erhalten. Ein vertrauenswürdiger Veranstalter wird nicht ungeduldig, im Gegenteil; denn es ist seine Aufgabe, Rechenschaft über sein Produkt abzulegen.

Kostenkontrolle
Das Mitsegeln ist billiger als zuhause zu bleiben? Finger weg von Dumping-Angeboten. Erfragen Sie explizit die zu erwartende Höhe der Nebenkosten. Den meisten Veranstaltern zahlen Sie vor Reisebeginn nur den Schlafplatz und den Skipperlohn. Alles andere (Verpflegung und Getränke, alle Hafengebühren, Schiffsdiesel, Beibootbenzin, Endreinigung, Skipperverpflegung an Bord und an Land etc.) finanziert die Crew während der Reise selbst. Diese Extrakosten betragen einen großen Teil der Gesamtkosten und sind im Vorhinein unberechenbar, vor allem, wenn man die restliche Crew und deren Umgang mit Geld nicht kennt.
Alternativ für Segelanfänger und speziell für Familien zu empfehlen sind Angebote, die diese „Nebenkosten“ im Reisepreis bereits inkludiert haben.

Master und Commander. Wer ist Kapitän?
Der Skipper steht in sehr vielen Belangen einer Segelreise im Mittelpunkt. Ein guter Skipper erklärt nicht nur, sondern er hört auch zu. Er hat nicht nur Geduld und gute Nerven, sondern Freude an seiner Arbeit. Ein souveräner Skipper garantiert nicht nur eine sichere, sondern auch eine abwechslungsreiche und vielseitige Reise.

Die Skipper vieler Veranstalter sind leider selbst oft nur „Sommersegler“ ohne viel Erfahrung, weder im Kundenumgang noch in der Seefahrt allgemein. Da sie selbst hoffentlich gerne, aber mit sehr wenig Erfahrung skippern, ist es den Veranstaltern möglich, diese Skipper mit geringen „Aufwandsentschädigungen“ abzuspeisen. Aber wie in allen Belangen gilt: Gute Arbeit ist ihr Geld wert. Ein souveräner Skipper wird entsprechend entlohnt.

Erfragen Sie daher unbedingt, wie viel Segelerfahrung Ihr Skipper hat, in welchen Revieren er bereits segelte und wie viel Seemeilen er als Skipper hinter sich ließ. Auch wenn tausende von Seemeilen keine Garantie geben, so steigt doch die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass ein Skipper mit 20000 Seemeilen weltweiter Fahrt vertrauenswürdiger ist als jemand, der in drei Adria-Sommern 2000 Seemeilen durch glattes Meer motorte. Trauen Sie sich zu fragen, wie viel Ihr Skipper verdient, denn für weniger als hundert Euro am Tag segelt kein Profi.

Planken des Lebens
Eine Segelreise ist nicht nur für Erwachsene eine außergewöhnliche Erfahrung. Mit sensibler Unterstützung erleben Kinder auf der Segelyacht eine pädagogisch wertvolle, abwechslungs- und abenteuerreiche Zeit und vor allem unvergessliche Momente fürs Leben.

Ein Segeltörn ermöglicht Eltern und Kindern, in neuer Umgebung mit einander aktiv zu sein und an einem - realen und symbolischen - Tau zu ziehen. Es intensiviert sich das Bewusstsein des gemeinschaftlichen Handelns und der gemeinsamen Verantwortung. Nicht nur die Kinder profitieren von diesen Lernprozessen. Auch Erwachsene haben die Möglichkeit, sich selbst als Teil dieser Entwicklung wahrzunehmen und so - gemeinsam mit dem Kind - einen der vielen wichtigen Schritte im Leben zu tun.

Haben Skipper und Eltern die Seelenruhe, den Kleinen diese Erfahrungen zu gönnen, bleiben Familien-Segeltörns den Eltern als ganz große, miteinander geteilte Abenteuer in Erinnerung. Und die Kinder nehmen sich den Meereszauber fürs ganze Leben mit.

Informationen zu dieser Pressemitteilung

AutorSAILORAMA Segelreisen

Pressebildheader-familien-segeln-korfu-griechenland.jpg ©SAILORAMA Segelreisen

SchlagworteSegeln;segelreise;familie;familien;kind;kinder;urlaub;kroatien

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